Rückblick auf die diesjährige Bundesfeier

12. August 2026
Mit seinen persönlichen Erfahrungen, seinem Blick von aussen auf die Schweiz und seinen Überlegungen zu den Erfolgsfaktoren unseres Landes hat Prof. Dr. Peter Chen der diesjährigen Bundesfeier auf der Zolliker Allmend einen würdigen und bereichernden Rahmen verliehen.

Bei der diesjährigen Bundesfeier durften wird den emeritierten ETH-Professor Prof. Dr. Peter Chen als Festredner begrüssen. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher feierten den Schweizer Nationalfeiertag in festlicher Atmosphäre auf der Zolliker Allmend. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit und des Feuerverbots wurde auf Höhenfeuer und Feuerwerk verzichtet. Im Mittelpunkt des Abends standen stattdessen die Begegnungen, das gemütliche Beisammensein und die Festrede von Peter Chen.

Der Schweizer chinesischer Herkunft, der seit 2003 im Zollikerberg lebt und 2012 das Schweizer Bürgerrecht erhielt, blickte in seiner Ansprache auf seinen persönlichen Werdegang zurück. Chen studierte an der University of Chicago, promovierte an der Yale University und war Professor an der Harvard University, bevor er 1994 als Professor für physikalisch-organische Chemie an die ETH Zürich berufen wurde. Dort prägte er während drei Jahrzehnten Forschung und Lehre, unter anderem als Vizepräsident für Forschung und Wirtschaftsbeziehungen sowie als Präsidiumsmitglied des Schweizerischen Nationalfonds.

In seiner Festrede warf Peter Chen einen Blick auf die Schweiz «von aussen». Als Wahlschweizer und langjähriger Beobachter des Landes identifizierte er vier Faktoren, die aus seiner Sicht wesentlich zum Erfolg der Schweiz beitragen:

Integration als Stärke

Als ersten Erfolgsfaktor nannte Chen die gelungene Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Die Schweiz habe über viele Jahrzehnte Talente aus aller Welt angezogen und ihnen die Möglichkeit gegeben, sich einzubringen. Offenheit allein genüge jedoch nicht. Erfolgreiche Integration setze voraus, dass Zugewanderte die Landessprache erlernen und sich mit den Gepflogenheiten und Werten der Schweiz auseinandersetzen.

Die Kunst des Konsenses

Als zweite Besonderheit hob er die konsensorientierte Entscheidungsfindung hervor. In seinen Funktionen an der ETH, im Schweizerischen Nationalfonds und in der Wirtschaft habe er erlebt, dass in der Schweiz selten auf Konfrontation gesetzt werde. Stattdessen würden Diskussionen oft so lange geführt, bis ein tragfähiger Kompromiss gefunden sei. Gerade in einem kleinen Land sei die Fähigkeit, miteinander Lösungen zu erarbeiten, ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Verantwortung und Eigeninitiative

Der dritte Punkt betraf die starke Verankerung von Subsidiarität und Eigenverantwortung. Entscheidungen würden in der Schweiz häufig möglichst nahe bei denjenigen getroffen, die von ihnen betroffen seien. Als Beispiel nannte Peter Chen die Forschungsförderung, die in der Schweiz stark auf individuelle Initiativen setze. Dieser Ansatz habe wesentlich zur Innovationskraft des Landes beigetragen.

Vertrauen statt Bürokratie

Als vierten Erfolgsfaktor bezeichnete Peter Chen das hohe gegenseitige Vertrauen in Institutionen und Menschen. Im internationalen Vergleich seien Verwaltung und Hochschulen in der Schweiz deutlich weniger von Bürokratie geprägt. Das Milizsystem fördere Verantwortung, Transparenz und das Verständnis für das Gemeinwohl. Gleichzeitig schaffe es die Grundlage dafür, dass Entscheidungen pragmatisch und effizient getroffen werden können.

Stolz auf die Schweiz als Willensnation

Zum Abschluss rief Peter Chen dazu auf, die Stärken der Schweiz selbstbewusst zu bewahren. Die Schweiz sei nicht durch eine gemeinsame Sprache oder Herkunft definiert, sondern durch den gemeinsamen Willen ihrer Bevölkerung. Gerade deshalb sei sie eine besondere Nation. Er selbst, so Chen, sei ein stolzer Wahlschweizer und fühle sich geehrt, die Festrede zum 1. August gehalten zu haben

Der Gemeinderat bedankt sich herzlich bei Prof. Dr. Peter Chen für seine inspirierende Festrede. Mit seinen persönlichen Erfahrungen, seinem Blick von aussen auf die Schweiz und seinen Überlegungen zu den Erfolgsfaktoren unseres Landes hat er der Bundesfeier einen würdigen und bereichernden Rahmen verliehen.